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Wahrscheinlich kennt Ihr die alte Werberegel: „Wirfst Du jemandem viele Bälle zu, fängt er/sie keinen. Wirfst Du nur einen Ball, fängt er/sie diesen sicher." Oder anders ausgedrückt: „Überlade Deine Werbung nicht mit Botschaften. Sondern reduziere den Inhalt auf das Wesentliche, um in Erinnerung zu bleiben." Diese Regel zu beherzigen, ist für viele Themen ratsam: u. a. auch wenn es darum geht, als Marke für eine bestimmte Haltung wahrgenommen zu werden.

Anlass für diesen Beitrag ist eine soeben gestartete Kampagne von Telekom hilft, welche Hasstiraden verschiedener Social User gegen Telekom Mitarbeiter als Aufhänger hat. Und diese auf kluge Weise kontert! Zwar gibt es seit dem 1. Januar 2018 das sog. NetzDG (Netzwerkedurchsetzungsgesetz). Danach müssen Plattform-Betreiber wie Facebook und Twitter rechtswidrige Inhalte (wie Hetze oder Hass- und Gewalt-Tweets/Posts) selbständig löschen. Aber wir alle wissen, nein: wir alle erleben täglich, dass die Umsetzung dieser Verordnung nicht funktioniert bzw. nachlässig betrieben wird. Cyberattacken, egal ob sie sich gegen Firmen, gegen Medienvertreter, gegen Personen des öffentlichen Lebens oder gegen Privatpersonen richten, sie sind an der Tagesordnung. Und sie geben ein schlechtes Bild unserer Gesellschaft ab. Denn parallel nehmen auch die Übergriffe auf der Straße zu: Übergriffe auf Journalisten, Feuerwehrleute, Polizisten, Sanitäter, Ärzte und nicht zuletzt auf Politiker. Also Menschen, die sich im Dienst unserer Gesellschaft engagieren! – Die Hemmschwelle sinkt: im realen, wie im virtuellen Teil der Welt.

Schluss mit schmutzig!

Reizthemen gibt es täglich. Und deshalb auch Schmähungen in Hülle und Fülle. Egal, ob wir über Covid-19 oder Gleichberechtigung debattieren, politische oder schulische Anlässe nehmen, uns im Wahlkampf befinden oder nicht.

Nehmen wir z. B. die Beleidigungen, die Renate Künast via Facebook über sich hatte ergehen lassen müssen. Selbst das Berliner Landgericht urteilte noch im September 2019, dass Kommentare wie „Schlampe“ oder „Drecks Schwein“ reine Meinungsäußerungen und für die Ex-Landwirtschaftsministerin hinzunehmen seien. Ergo: diese „Kommentare“ nicht unter die NetzDG-Regelung fallen. Ein Armutszeugnis für unsere Rechtsprechung und ein Freibrief für Nachahmer!

Oder Cybermobbing gegen Lehrer: 48% der 1.200 im Rahmen einer Umfrage aus dem Jahr 2018 befragten Schulleiter/innen gaben an, dass Lehrkräfte in den letzten fünf Jahren direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Erschreckend dabei: 63% der betroffenen Schüler/innen zeigten sich uneinsichtig gegenüber ihrem Fehlverhalten und 59% der Eltern waren nach Angaben der Schulleitung nicht zu einer Kooperation mit der Schule bereit.

Auch ein Unternehmen wie die Deutsche Telekom, welches hierzulande nicht gerade zu den Lovebrands zählt, ist ein beliebtes Ziel für verbale Angriffe. Gründe dafür finden sich leicht. Denn vieles läuft nicht so, wie man sich das wünscht: die Preise, der Netzausbau, der Service, die Störungen. Dem folgt Kritik, die vor allem in sozialen Netzwerken zu Tage tritt. Weil ja jeder sehen soll, was schon wieder schief gelaufen ist. Und das öffentliche Posten, die Rache „des kleinen Mannes“, die Bonner zumindest etwas schädigen soll.

Fest steht: Das Internet ist zu großartig, um es Hatern, Demagogen und Scharfmachern zu überlassen. Allein deshalb ist es wichtig und verdienstvoll zugleich, dass sich die Telekom einmischt. Als markführender Netzanbieter Haltung zeigt mit der Initiative „#DABEI – Gegen Hass im Netz“. Danke dafür!

Das Engagement der Telekom ist glaubwürdig.

Der Netzbetrieb sowie das Bereitstellen von Produkten und Zusatzservices, welche das Interneterlebnis erst ermöglichen, ist das Telekom-Kerngeschäft. So verbindet sie Menschen und Unternehmen und gibt ihnen die Chance, sich auszutauschen und daraus Nutzen zu ziehen. Die Telekom ist also auf der einen Seite Initiator und Ermöglicher webbasierter Interaktionen, andererseits aber auch mitverantwortlich dafür, in welchem Rahmen sich diese abspielen. Allein deshalb ist der Zusammenhang zwischen Telekom und dem Engagement nicht konstruiert, sondern produkt- und markenimmanent.– Hinzu kommt, dass Mitarbeiter, wie die von Telekom hilft, selbst täglich Cybermobbing-Ziele sind. Obwohl sie umgekehrt versuchen, Probleme genau der User zu lösen, die sie verbal diskreditieren.

   

   

„Sind nur dumme komische scheiss ausländer bei der telekom, die findet es komisch wenn mitarbeiter auflegen aber selbst zu dumm deutsch zu verstehen.“ Vier Kampagnenmotive mit realen Mitarbeitern und realen Anfeindungen aus dem Social Web. Extrem wichtig, dass die Deutsche Telekom hier auch als Arbeitgeber Flagge zeigt.

 

Haltung heißt: „Wir machen es zu unserer Sache.“

„Gegen Hass im Netz“ ist nur eines von sehr, sehr vielen Aktivitäten der Deutschen Telekom (inkl. Deutsche Telekom Stiftung). Das beginnt bei regionalen Projekten, geht über diverse Musik- und Sportsponsorings und endet schließlich bei gesellschaftlich relevanten Engagements. Für meinen Geschmack macht die Telekom sogar zu viel: „tanzt auf zu vielen Hochzeiten“. Denn, obwohl die meisten dieser Projekte (mehr oder weniger) zur Telekom passen, am Ende atomisieren sie das Markenbild, statt es zu kondensieren. Für welche konkrete Haltung steht die Deutsche Telekom eigentlich? Kann mir das jemand spontan beantworten, der nicht gerade Telekom-Mitarbeiter ist?

Wahrscheinlich kennt Ihr die alte Werberegel: „Wirfst Du jemandem viele Bälle zu, fängt er/sie keinen. Wirfst Du nur einen Ball, fängt er/sie diesen sicher.“ Oder anders ausgedrückt: „Überlade Deine Werbung nicht mit Botschaften. Sondern reduziere den Inhalt auf das Wesentliche, um in Erinnerung zu bleiben.“ Diese Regel zu beherzigen, ist für viele Themen ratsam: u. a. auch wenn es darum geht, als Marke für eine bestimmte Haltung wahrgenommen zu werden.

Eine Haltung einzunehmen bedeutet deshalb umso mehr, sich als Unternehmen thematisch zu fokussieren. Sich möglichst nur einer gesellschaftlich relevanten Aufgabe zu widmen. Die Aufgabe als Teil der DNA zu verstehen. Und die Lösung dieser Aufgabe zum gesamtunternehmerischen Leitthema zu machen. Nicht nur als Kampagne zu spielen, sondern vielfältig zu leben. Nicht nur in der Außendarstellung, sondern auch nach innen. Nicht nur öffentlichkeitswirksam, sondern ebenso unterhalb des Medienradars. Genau diese Chance hat die Deutsche Telekom m. E. mit dem Thema „Gegen Hass im Netz“.


exclamo: eine App, mit der Schüler*innen internen Kontaktpersonen, sogenannten Mentor*innen, Mobbing-Fälle melden können.

 

„Gegen Hass im Netz“: und wie weiter?

Das Thema ist wichtig, wird bleiben und geht uns alle an: als Mensch, als Eltern, als Gesellschaft und (spätestens seitdem mittels Trollfabriken gepöbelt wird) als Staat. Umso wichtiger ist, dass wir auch die erreichen, die beim Betrachten der Kampagnenmotive nicht ohnehin schon nicken. Sondern auch diejenigen in die Gesamtstrategie miteinbeziehen, die für verbales Entgleisen verantwortlich sind. Besser noch: Dazu beitragen, dass ihre Zahl Jahr für Jahr kleiner wird.

Reicht da ein Sponsoring des Bündnis gegen Cybermobbing aus? Eine gute Idee ist die Unterstützung der exclamo-App. Aber im nächsten Schritt sollte man die Kosten für die Bereitstellung an Schulen übernehmen. Und den Download und die Nutzung der App zusätzlich unterstützen? Kann man dbzgl. eventuell noch mehr Initiative zeigen: mit eigenen Schulprogrammen, mit Trainings, mit eigenen Hotlines, mit eigenen Influencer-Formaten …? Warum nicht auch mit einer Anpassung der AGBs, Kundeninfos und im Falle des wiederholten Cybermobbings, mit Kündigung der Geschäftsbeziehung?

Wie wird den Opfern zur Seite gestanden? Ist da der Facebook Messenger-Bot wirklich die einzige Idee? Oder könnte man, vielleicht gemeinsam mit JUUUPORT o.a., neue Formate umsetzen: mit Influencern, in T-Shops oder wo auch immer? Warum nicht Beratungs-/Kontaktangebote direkt in den T-Useraccounts Minderjähriger verorten? … … … Alles zusammen würde nicht nur die Ernsthaftigkeit des Engagements unterstreichen, sondern wirklich etwas bewirken.

Jean-Remy von Matt meinte 2006 einmal, Blogs/das Social Web seien die „Klowände des Internets“. Die Deutsche Telekom mit ihrer Power, könnte dazu beitragen, dass dieses Bild niemals Wirklichkeit wird.

 

 

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